Sektor

Gesundheit

BSI C5 Typ 2 · MDR / IVDR · GDNG · DiGAV · Anforderungen des BfArM.

Sektorale Risiken

  • ePA-Daten auf US-Cloud

    Die elektronische Patientenakte enthält besonders schützenswerte Daten. Eine Verarbeitung auf US-jurisdizierten Hyperscaler-Plattformen unterliegt CLOUD Act und FISA 702.

  • Klinische OT-Steuerung über öffentliche Clouds

    Bildgebung, Laborautomation und Klinikinformationssysteme werden zunehmend an externe Cloud-Backends gekoppelt. Ein Steuerungsausfall hat unmittelbare Patientenwirkung.

  • MDR-Konformität bei Software-Updates

    Medizinprodukte-Software (MDR-Klasse IIa und höher) erfordert nachvollziehbare Update-Pfade. Cloud-Update-Mechanismen müssen die Konformitätskette nicht durchbrechen.

  • Pharmadaten-Souveränität

    Forschungs- und Studiendaten der pharmazeutischen Industrie sind ein strategisches Asset. Exfiltrationsrisiken durch Drittparteizugriffe sind heute strukturell unzureichend adressiert.

  • Sekundärnutzung nach GDNG

    Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz öffnet Wege für Forschung. Die Forschungsdaten-Plattformen müssen souverän betrieben werden, sonst entsteht ein Abfluss in nicht-europäische Auswertungssysteme.

Regulatorischer Anker

RegelwerkStatusWesentliche AnforderungAnschluss an EDSO
BSI C5 Typ 2verbindlich für ePA-ProviderNachweis operativer SicherheitAnker für D2 ≥ L2
MDR / IVDREU-VerordnungKonformität medizinischer SoftwareAuflage für D3-Update-Pfade
GDNGin KraftSekundärnutzung GesundheitsdatenAnschluss an D1-Transparenz
DiGAVin KraftVerzeichnis digitaler GesundheitsanwendungenD1- und D2-Mindestnachweise
BfArM-AnforderungenbehördlichMarktzugang Software-MedizinprodukteAuflage für D4-Lieferkette

Empfohlene Mindestlevel pro Anwendungsfall

AnwendungsfallGesamtD1D2D3D4Begründung
ePA-HostingL2L2L3L2L2Hoher Datenschutzanspruch erfordert verschärftes D2.
Klinik-OT (medizintechnische Steuerung)L3L2L3L3L3Patientensicherheit verlangt vollständige Steuerbarkeit.
Forschungsdaten-Plattform (GDNG)L2L2L2L2L2Sekundärnutzung erfordert dokumentierte Datenkontrolle.
DiGA-Backend (Klasse IIa)L2L2L2L2L1Versorgungsrelevant, aber nicht akutkritisch.
Marketing / PatientenkommunikationL1L1L1L1L1Geringes Souveränitätsrisiko, Standard-Nachweise genügen.

Typische Anwendungsfälle

Telematikinfrastruktur-Fachdienst

Szenario
Ein Anbieter betreibt einen TI-Fachdienst, der zentrale Identitätsfunktionen für niedergelassene Praxen bereitstellt.
Risiken
Single-Provider-Lock-in, Schlüsselverwaltung außerhalb der EU, fehlende Exit-Strategie.
EDSO-Anwendung
Level 2 mit Schwerpunkt D2 (Kunden- bzw. Treuhand-gestütztes Key Management) und D3 (offene Schnittstellen).
Vorgehen
Self-Assessment, Vorprüfung, Pilot-Zertifizierung mit akkreditierter Prüfstelle.

Klinik-PACS (Bildarchivierung)

Szenario
Ein Krankenhausverbund migriert sein Picture Archiving and Communication System in eine Cloud-Lösung.
Risiken
Auslagerung patientenbezogener Bildgebung, Vendor-Lock-in über proprietäre DICOM-Erweiterungen.
EDSO-Anwendung
Mindestens L2 gesamt; D3 = L2 (DICOM-Standardkonformität, dokumentierter Wechselpfad).
Vorgehen
Sektor-Workshop, Lastenheft-Erweiterung über den Ausschreibungs-Generator.

DiGA-Anbieter mit US-Backend

Szenario
Eine zugelassene DiGA nutzt aus historischen Gründen US-Hyperscaler für Backend-Funktionen.
Risiken
Verlust der Verzeichnislistung bei Veränderung der EU-Rechtsbeziehung, Reputationsrisiko.
EDSO-Anwendung
Migrationspfad Richtung L2; Übergangsweise dokumentierte D1- und D2-Schutzmaßnahmen.
Vorgehen
Self-Assessment, Lückenanalyse, Pilotzertifizierung 12-Monats-Roadmap.

Vorlagen und Sofort-Einstiege

Sektor-spezifische Leitfäden

Sektor-Konsultationen

Ansprechpartner

Anwendungsrat — Quadrant Anwender / Sektor GesundheitSektor-Sprecherin

Kontaktformular (Sektor voreingestellt)