Domäne · D2

Infrastruktur

Wo und durch wen wird der Dienst tatsächlich betrieben — und welche Subunternehmer haben Zugriff?"

1. Strategische Bedeutung§

Die Infrastrukturdomäne bewertet, wo der Dienst physisch und organisatorisch erbracht wird: Rechenzentrumsstandorte, Betriebs- und Supportstrukturen, privilegierte Subunternehmer. Sie unterscheidet sich bewusst von der Datenhoheit (D3), die die Kontrolle über die Daten selbst betrachtet.

Eine sauber europäische Infrastruktur ist Voraussetzung dafür, dass juristische Verortung und Datenhoheit überhaupt operativ wirksam werden. Ein EU-jurisdizierter Anbieter, der seinen Betrieb tatsächlich aus einem Drittstaat heraus führt, ist nicht souverän — er ist formal europäisch und operativ exponiert.

D2 ist die Domäne der nachprüfbaren Geografie und der nachprüfbaren Betriebsorganisation.

2. Kernkriterien§

  • Rechenzentrumsstandorte und Datenresidenz

    Vollständige Liste aller primären, sekundären und Backup-Standorte; vertraglich zugesicherte Beschränkungen auf EU/EWR.

  • Betriebsorganisation

    Standort der Betriebs-, Support- und Entwicklungs­teams; klare Trennung der Verantwortlichkeiten.

  • Subunternehmerkette

    Vollständige Kette aller Subunternehmer mit Rolle, Standort und Jurisdiktion. Stille Sub-Auftragsverhältnisse sind unzulässig.

  • Privileged Operations Management

    Welche Subunternehmer und welche Anbieter-Mitarbeiter dürfen unter welchen Bedingungen administrativ auf die Infrastruktur zugreifen?

  • Netzwerk- und Konnektivitätspfade

    Transitprovider, Peerings und CDN-Strukturen mit ihrer geopolitischen Exposition.

3. Prüffragen (Auszug)§

  1. In welchen Rechenzentren und in welchen Mitgliedstaaten wird der Dienst betrieben?
  2. Kann der Datenstandort vertraglich auf die EU beschränkt werden — auch für Backups und Replikate?
  3. Welche Subunternehmer haben administrativen Zugriff auf die Plattform?
  4. Aus welchen Jurisdiktionen heraus arbeiten Betriebs-, Support- und Entwicklungsteams?
  5. Welche Netzwerkpfade berühren Drittstaaten und welche Alternativen existieren?

4. Akzeptierte Evidenz§

  • Liste aller Rechenzentrumsstandorte mit Betreiber und Jurisdiktion
  • Auftragsverarbeitungsverträge mit allen Subunternehmern
  • Organigramm mit Standort- und Funktionsangaben für Betriebs- und Supportteams
  • Netzwerktopologie inklusive Transit- und Peering-Partner

5. Level-Schwellen in dieser Domäne§

LevelMindestanforderung in D2
L0Standorte und wesentliche Subunternehmer grob benannt.
L2Vollständige EU-Datenresidenz vertraglich zugesichert; Subunternehmerkette vollständig dokumentiert.
L3EU-Operation durchsetzbar; Betriebs-, Support- und Subunternehmerstandorte extern auditiert; Drittstaaten-Zugriffe ausgeschlossen oder eng begrenzt.
L4Vollständige EU-Operation; keine Subunternehmer in Drittstaaten; redundante Standorte in mindestens zwei Mitgliedstaaten.

6. Anschluss an bestehende Standards§

StandardWas abgedeckt istWo EDSO darüber hinausgeht
BSI C5Betriebsorganisation und Standorte detailliert geprüftSouveränitätswertung der Subunternehmer-Jurisdiktion nicht systematisch
ISO/IEC 27001Asset- und Lieferantenmanagement abgedecktGeopolitische Exposition nicht gefordert
EUCSStandortanforderungen je VertraulichkeitsstufeSubunternehmer- und Betriebsstandorte nur eingeschränkt

7. Typische Audit-Befunde§

  • Backup-Replikation in Region außerhalb der EU vertraglich nicht ausgeschlossen
  • 24/7-Support faktisch aus Drittstaat heraus geleistet, ohne dass dies im Vertrag offenliegt
  • Sub-Auftragsverhältnisse über mehrere Konzernebenen nicht offengelegt

8. Querverweise§