Domäne · D5

Resilienz & Exit-Fähigkeit

Kann der Dienst ohne prohibitiven Aufwand und in vertretbarer Zeit gewechselt werden?"

1. Strategische Bedeutung§

Resilienz und Exit-Fähigkeit misst die Wechselfähigkeit eines Dienstes und die Belastbarkeit im Störfall. Solange ein Dienst nicht innerhalb vertretbarer Frist und zu vertretbaren Kosten gegen einen anderen austauschbar ist, ist der Kunde strukturell von einem einzelnen Anbieter abhängig — unabhängig davon, wie sicher oder transparent dieser Anbieter im Einzelnen ist.

Diese Domäne adressiert die strukturelle Verhandlungsmacht. Sie ist die Domäne, die langfristige Preis-, Funktions- und Sicherheitsverhandlungen erst ermöglicht — und die im Krisenfall den Unterschied zwischen ungeplantem Ausfall und kontrollierter Migration macht.

Eine hohe Bewertung in D5 verlangt sowohl offene Schnittstellen als auch nachgewiesene Migrations- und Wiederanlauf­fähigkeit in realen Szenarien. Behauptete Portabilität ohne reproduzierbare Exit-Übung zählt nicht.

2. Kernkriterien§

  • Offene Standards und Datenportabilität

    Anteil offener Standards an Schnittstellen und Datenformaten. Exportierbarkeit aller Kundendaten in offenen, dokumentierten Formaten — inklusive Metadaten.

  • Vollständig dokumentierte APIs

    Versionierte, vertraglich stabile, vollständig dokumentierte Schnittstellen für alle administrativen und datenbezogenen Funktionen.

  • Exit-Plan und Exit-Kosten-Matrix

    Dokumentierte Aufwands- und Kostenabschätzung für vollständige Migration in vergleichbare Zielumgebungen, inklusive Zeitplan.

  • Wiederanlauffähigkeit (BCM/DR)

    RTO/RPO definiert, getestet und vertraglich verankert; Failover- und Restore-Verfahren regelmäßig erprobt.

  • Kompatibilität zu Konkurrenzdiensten

    Nachgewiesene Migrationspfade in mindestens zwei konkurrierende Zielarchitekturen — idealerweise als reproduzierbare Referenzimplementierung.

  • Proprietäre Lock-in-Elemente

    Transparente Auflistung aller proprietären Datenbanken, Funktionen, ML-Modelle oder Konfigurationsformate, die einen Wechsel erschweren.

3. Prüffragen (Auszug)§

  1. Welche der vom Dienst genutzten Datenformate sind offen standardisiert?
  2. Ist eine Referenzmigration in eine konkurrierende Zielumgebung dokumentiert und reproduzierbar?
  3. Welche dokumentierte Exit-Kostenabschätzung liegt für die typische Kundenkonfiguration vor?
  4. Welche RTO/RPO-Werte sind vertraglich verankert, und wann wurden sie zuletzt getestet?
  5. Welche proprietären Komponenten besitzen kein funktionsäquivalentes offenes Pendant?

4. Akzeptierte Evidenz§

  • API-Spezifikationen (OpenAPI, AsyncAPI) inklusive Versionspolitik
  • Exit-Drehbuch mit Schätzung von Dauer, Kosten und Datenverlust-Risiko
  • Reproduzierbares Migrationsbeispiel in eine alternative Zielarchitektur
  • BCM/DR-Testprotokolle der letzten 24 Monate
  • Liste proprietärer Komponenten mit Risikobewertung

5. Level-Schwellen in dieser Domäne§

LevelMindestanforderung in D5
L0Exit-Möglichkeit grundsätzlich beschrieben; Datenexport in Standardformaten.
L2APIs und Exportwege vollständig dokumentiert; Exit-Plan und RTO/RPO vertraglich fixiert.
L3Nachgewiesener Exit in vertretbarer Zeit und Kosten; getestete Wiederanlaufverfahren; eingeschränkter proprietärer Lock-in.
L4Reproduzierbare Migration in mindestens zwei Konkurrenzziele; jährliche Exit- und DR-Tests; vertragliche Migrationsgarantien.

6. Anschluss an bestehende Standards§

StandardWas abgedeckt istWo EDSO darüber hinausgeht
DORAExit-Strategien gefordertReproduzierbarer Wechsel und EU-Zielarchitekturen nicht spezifiziert
EUCSPortabilitätsanforderungen teilweiseNachweisbare Exit-Übung nicht gefordert
EU Data ActPortabilitätsrechte gesetzlich verankertOperationalisierbarkeit und Prüftiefe offen — EDSO konkretisiert

7. Typische Audit-Befunde§

  • API-Vollständigkeit nur für gängige Funktionen, kritische Administrationsoperationen nur über Web-UI
  • Export in offenem Format, aber ohne Metadaten und Berechtigungsbeziehungen
  • RTO/RPO vertraglich fixiert, aber seit Jahren nicht getestet
  • Exit-Kostenangaben ohne Referenz auf real durchgeführte Migration

8. Querverweise§